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Donnerstag, 21. Oktober 2010

Surfers 04.10 ---Shaping Room--- mit PT Surfboards
"... Dieses Mal nehmen wir die Shape-Werkstatt von Penis Trigger Surfboards unter die Lupe und sprachen dafür mit Heiko Pfisterer, dem Chef und Shaper von PT Surfboards.
SURFER:Hallo Heiko! Wie hat deine Karriere als Shaper begonnen?
Heiko: Angefangen hat alles mit Boards reparieren. Ich bin 2003 das erstemal zum Surfen an die Münchner
Floßlände gekommen und hatte seit dem immer viel zu reparieren. Nach meinem Umzug nach München 2004 und dem Wechsel an den Eisbach 2006 setzte sich dann
die (unendliche) Reparaturgeschichte fort. Da mein damaliges Board nicht so ideal für den Eisbach geeignet war und ich keins finden konnte das mir gefallen
hat habe ich das Alte einfach mal "umgeshapet". So entstand langsam die Idee selbst ein Board komplett zu shapen und nach langer Recherche im Internet war es dann im Frühjahr 2007 soweit. Meine Crew hat mir die ersten Versuche finanziert und nach dem jedes der Boards ganz gut funktioniert hat bin ich dabei geblieben. Ohne die Zusammenarbeit mit den Jungs, viel Support von Bekannten die einen lokal Shaper unterstützen wollen wäre ich nicht auf dem
Level auf dem ich heute bin. So habe ich bis August 2010 an die 160 Boards geshapet.
SURFERS:Wie viele Bretter stellt ihr heute im Schnitt pro Jahr her?
Heiko: PT Surfboards steckt noch in den Kinderschuhen, von daher betreibe ich das Ganze nicht hauptberuflich.
Somit komme ich als Teilzeitshaper auf eine ahresproduktion von ca. 50 Surfboards. Meine Shapes richten sich neben Flusssurfern an Surfer die schon
sicher auf dem Board stehen und kürzere Surfboards suchen die ohne viel Kraftaufwand surfbar sind und leicht anpaddeln.
SURFERS:Welche Art von Brettern verkauft ihr am meisten?
Heiko: Klar, als Münchner Brand sind die Riverboards sehr gefragt, gerade Psyko und Gorilla sind am Eisbach bei den Jungs und Mädels sehr beliebt. Mittlerweile wird auch der Rest von Deutschland auf mich aufmerksam, so dass ich auch einen Kundenkreis an Nord-und Ostsee habe bzw. auch andere Meersurfer auf mich zukommen. Dort verkaufe ich meist Myotis, Hornet oder Bumblebee.
SURFERS: Welches Board würdet ihr einem Deutschen empfehlen, der ein, zwei Mal im Jahr zum Surfen kommt und seinen Urlaub jedes Mal an einem anderen Spot
verbringt.
Heiko: So eine allgemeine Frage lässt sich schwer beantworten. Die Standardantwort vieler Verkäufer ist bei so etwas meistens Fish oder Mini-Malibu, breiter, dicker und länger eben. "Damit bekommt man immer ne
Welle". Es kommt immer auf die Skills an, aber ich vertrete die Meinung dass viele Deutsche zu große Boards surfen die viel zu schwer drehen und sich
so den Spass am Surfen kaputt machen, oder andererseits Pros auf dünnen Sticks sehen und denken sowas brauch ich auch. Als Shaper sehe ich mich meist mit zwei Erwartungen konfrontiert. Die einen suchen ein Surfboard mit dem sie leicht in den Line-Up kommen und
trotzdem viele Wellen anstarten können, die anderen wollen einen Allrounder der sowohl in 3ft onshore als auch in 7ft offshore funktioniert. Bisher konnte ich durch
einen persönlichen Kontakt mit dem Kunden für seine jeweiligen Anforderungen eine Lösung in meinem Quiver finden, oder wir haben zusammen einen Custom-Shape
entwickelt. Besonders das Können spielt eine entscheidende Rolle und gibt zusammen mit der Fitness die Richtung vor. Bevor man sich allerdings nach einem
Surfboard umschaut sollte man sich fragen, auf was für einem Board hatte man im letzten Urlaub am meisten Spass, welche Zielsetzung hat man und vor allem seine
Skills ehrlich bewerten.
SURFERS:Was reizt an
dem Job am meisten?
Heiko: Die Herausforderung des Shapen und neue Shapes zu entwickeln. Aus einem Rohling ein funktionierendes Board zu shapen, Outline, Unterwasserschiff, Rails, Rocker, Deckcurve und
Volumenverteilung; aus so vielen Stellschrauben eine für den Einsatz optimale Kombination zu finden ist nicht einfach, umso mehr freut man sich über eine
positive Entwicklung aber auch über die Feststellung, dass es so nicht funktioniert. Dank meiner Crew kann ich immer wieder neue Versuche wagen Boards
zu optimieren oder neue zu designen.
SURFERS: Was bedeutet
der Name PT Surfboards?
Heiko: PT sind die Intialen meiner Eisbach-Crew, Penis
Trigger. Der Name entstand am Anfang meiner Shaping Karriere, während einem Weißwurstfrühstücks bei dem wir über einen Namen und Logo für die ersten Boards
rumgealbert haben. Eine tiefgründige Bedeutung gibt es nicht, dennoch ist die Crew noch fester Bestandteil von meinem Label und so wurde der Name lediglich
abgekürzt und die Initialen PT klingen einfach gut.
SURFERS: Wo seht ihr die
Zukunft in der Surfboardtechnologie?
Heiko: In der Surfboardtechnologie hat sich viel getan,
dennoch wird weiterhin aus Kostengründen größtenteils mit klassischen Materialien wie PU-Blanks, Glasfasern und Polyesterharz gearbeitet. Ich selbst gehöre auch zu dieser Gruppe von Shapern, versuche aber durch den Einsatz von UV-härtendem Polyesterharz auf den Einsatz des giftigen MEKP-Härters zu verzichten, verwende Harz mit reduziertem Styrolgehalt, verbaue zur Stabilisierung des Standbereichs Carbon-Gewebe oder unidirektionales Gewebe zum Verstärkung des Stringers.
Epoxidharze werden auf kurz oder lang Polyesterharz ablösen da sie nicht nur bessere mechanische Kennwerte aufweisen, sonder auch weniger gesundheitsschädlich sind. Ebenso bieten Polystyrol-Blanks weitere Vorteile, da sie beispielsweise kein Wasser aufnehmen. Nieschenprodukte sind leider noch
Schäume, Harze und Gewebe aus nachwachsenden Rohstoffen da sie noch nicht die Perfromance herkömmlicher Varianten besitzen. Dennoch sehe ich auch dort eine Zukunft, da zum einen der Industrie Öl als Rohstoff nicht unendlich zur Verfügung steht und zum anderen der Markt für "Öko"-Produkte mehr Zulauf bekommt.
